Straße der Kindheit

In der Erlestraße und den angrenzenden Straßen wie Göthestraße, Schillerstraße, Goldbergstraße und Turmstraße habe ich meine Kindheit und frühe Jugend verbracht. Hier lebten auch die Spielkammeraden. Einige wohnen noch immer in den Häusern ihrer Eltern, die meisten sind aber nicht mehr da.
Kreuzung Göthe-/Schillerstraße. Hier war ein kleiner Lebensmittelladen, in dem es zu unserer Zeit auch noch Zigaretten lose gab.

Dazu fällt mir ein, dass es im Radius vom 200 m um unsere Wohnung mindestens 4 Lebensmittelgeschäfte und ein sogenannter Milchbauer (er handelte nur mit Milch und Sahne) gab.

An der linken Seite war der Eingang zu einer Mietwaschküche und Wäschemangel. Dort konnte man schon seine Wäsche waschen lassen oder selbst waschen.
Bild von Manfred Kolk geliefert

Hier verkaufte damals der "Milchbauer" Kuhlmann Milch und Sahne.

Auch wohnte hier der Kommunist (damals was gaaaaanz schlimmes) Brix, der hatte nur eine Hand, dafür einen Haken, wie Käpten Hook bei Peter Pan.
Blick vom ehemaligen Lebensmittelladen Gärtner nach links in Richtung Steinstraße oder Verbandsstraße.

Die Steinstraße heißt richtg "Freiher-vom-Stein-Straße" und "Verbandsstraße" hieß sie auch, weil sie die Cranger Str. und die Resser Str. miteinander verband.

In dem Haus rechts wohnte Uwe Kergel, der in der Himmelfahrtkirche Jugendgruppenleiter war.

Um das Haus war damals noch eine Mauer mit einem Rohr jeweils zwischen den Mauerpfosten, auf denen wir balancieren lernten. Die Mauern vor den Häusern waren beliebte Aufenthalts- und Spielplätze der Kinder.
Bild von Manfred Kolk geliefert

Das Haus, in dem früher mal der Lebensmittelladen von Gärtner war.
Da, wo unten rechts die beiden Fenster sind, waren damals Schaufenster und dazwischen der Eingang.

Im Haus von Gärtner wohnte Wolfgang Höhle, den wir alle "Rock'nRoll" nannten. Der konnte Klavier spielen und bei offenem Fenster spielte er den Rock für uns.
Durchblick von "Gärtner" auf den Rathausturm.

Nachtrag: Gunhild Jacob, die früher Strakhof hieß, wohnte im Haus Nr. 54. Der Eingang ist gerade in dem Haus rechts nicht zu sehen. Ihr Bruder heißt Jürgen, der mir damals einen Englischkurs auf Kassette lieh, den ich wohl nicht zurückgegeben habe. Hat auch nicht viel genutzt.

danke Gunhild für die Hinweise.
In diesem Haus haben wir gewohnt, bis ich 12 Jahre alt war. Mansardenfenster, linke Seite. Zwei Treppen hoch.

Ein grosser, zum Treppenhaus offener Flur;
fünf Türen:
ein Badezimmer mit fließend Wasser, kalt, ohne Heizung und nur ein Waschbecken;
ein Schlafzimmer, 3 x 3 m, drei Betten für 4 Personen, ein Kleiderschrank, Blick in den Garten;
eine Wohnküche, mit Kohleherd, eine Couch, Tisch und ein kleiner Schrank;
alles natürlich mit Dachschrägen.

Dann gab es vom Flur aus noch eine Abstellkammer und einen Trockenboden.

Und hier noch ein Video von unserer Etage, aufgenommen 1989.
Linke Seite:
Unten Brücher (Tante Hilde und Onkel Ferdi mit Brunhilde [Hillemaus], Gudrun [Gaga] und Christel [Kickel]), darüber Meireis und dann wir. Onkel Ferdi war ein Meister des Betons. Alle Gartenwege waren betoniert und der Vorgarten hinter der Mauer war eine Betonplatte, grün gestrichen, mit Löchern für Sträucher.

Ist inzwischen renaturiert.

Wenn wir für Tante Hilde bei Gärtner einkaufen gingen, durften wir uns häufig dafür eine Tafel Schokolade mitbringen, oder wir bekamen ein paar Groschen. Damals hieß die Butter noch "Gute" und wurde als halbes Paket (im Laden geteilt) gekauft. Unser Brot war ein dreipfünder und hieß Kassler. Es kostete 70 Pfennig und wurde fast unterwegs schon aufgegesen, wenn es frisch und noch warm war, was häufig vorkam.

Rechte Seite: Beisenkamp, Bardelle, Stracke.
Direkte Nachbarn links: Lethmarte. Der Aufbau ganz rechts ist auf einen Raum aufgesetzt, der Stall, Werkstatt, Waschküche und was sonst noch alles bei den verschiedenen Häusern war. Auf den nachfolgenden Bildern noch zu sehen.
schräg nach rechts von unserem Haus: oben Beckmann mit den Kindern Peter und Ellen, der wir einmal Lakritz anboten, das sich aber als Kautaback herausstellte. (aus den Erinnerungen von Ellen persönlich)

unten Schröter, die hatten zwar keine Kinder, aber einen Dackel und einen DKW. Darin durften wir sitzen, bis die Garagentür aufgemacht war und dann fuhren wir mit in die Garage auf unserem Hof.

Dann kam Tante Hilde mit einem Wasserkessel, so wie dieser, mit kochendem Wasser. Damit wurde dann der Kühler aufgefüllt.
Hier wohnten Heinz Lutzei mit zwei Schwestern, Gisela und die jüngere Bernadette. Burghard Westrich und Edda und Gerd (Gerdchen) van der Weide.
Edda haben wir immer "Adelige mit dem Persilkarton genannt." *
Zu van der Weide gehörte auch ein Opa ?Lurch?
Das Haus war wohl ziemlich runtergekommen, wird aber z.Zt. (2005) wieder aufgemöbelt. Mit säulengetragenem Eingang. Links vom Haus ist immer noch ein Garten, der schon in den 50ern nicht gepflegt wurde.



* neue Infos von Manfred Kolk *
Ich glaube, das ist das Haus, in dem links Ulrich Lasthaus und Schwester Ulrike (sehr einfallsreich von den Eltern) gewohnt hat.
Brockkötter, Efkemann und Thesing. Irgendwann in den 50ern ist aus dem Haus jemand nach Amerika ausgewandert.(Erste Etage links von der mittleren Tür. Recherchen ergaben den Namen Weihe oder Weyhe). Ich kann mich noch ganz genau an den Möbelwagen erinnern, der die Habe wegbrachte. Amerika hätte aber genau so gut drei Straßen weiter sein können, weg ist weg.
Links unten Höche.
Damals gab es noch keine Parkschilder. Ein Auto in der Straße brachten unter uns Kindern noch einen Auflauf. Da ein Auto auch Pedale hatte wie unsere Tretautos, glaubte ich damals, auch die Autos würden so bewegt.
Schandl, Kolk und Kolk. Herr Schandl kam irgendwo aus dem deutschsprachigen Süden. (Tirol?) Ziemlich häufig wurde da gejodel. So richtig. Wir fanden es lustig und ein wenig bekloppt.

Mit Manfred Kolk war ich bis zum Ende unserer Schulzeit befreundet. Auch noch, als wir schon weggezogen waren. Mit der Lehrzeit trennten sich unsere Wege und wir verloren uns aus den Augen. Mein jüngerer Bruder Helmut war mit Manfreds Bruder Theo befreundet.
In diesem Haus war ein Bauunternehmer und Architekt. Niewerth / Schniering. Die hatten einen Königspudel mit dem schönen Namen "Norma".
Niewerths waren trotzt viel Geld (aus unserer Sicht) recht sozial eingestellt.
Nach Manfreds Erinnerungen haben sie für uns ein Kinderschützenfest mit Schokoladengetränk, Kuchen und Spiele in Ihrem Garten ausgerichtet. Ich kann mich nur vage daran erinnern.

Ich kann mich aber daran erinnern, dass Frau Niewerth eine Handtasche mit Inhalt durch das offene Fenster an der Straße geklaut wurde. War damals Straßengespräch.
Haus Nr. 42; Horst Blaskowitz, bis zu seiner Lehre so was wie der Straßenführer. Mit dem Tag seines Lehrantritts waren wir Kleineren nicht mehr extistent für ihn.
Nochmal wo Kolk und Kolk wohnten.
Ich kann mich an eine "Fete" bei Mechthild Meinhövel erinnern, bei der ich das erste Mal Martini trank. Mochte ich genau so wenig, wie die Musik von Frank Sinatra, die da gespielt wurde.
Nr. 42a; Bernd und Peter Reimann. Mit Bernd Reimann und Manfred Kolk bin ich zur Schule gegangen. Bernd war unser Chemiker. Im Hühnerstall ein Labor, in dem auch Schwarzpulver gemischt wurde. Ein weiteres markantes Merkmal von Bernd waren seine Fingernägel. Er mochte sie so sehr, dass er sie aufaß . Bei Peter kann ich mich hauptsächlich daran erinnern, dass er immer die Hände bis zu den Schultern in der Tasche hatte.
nochmal Kolk, hier senior.
Bei Kolk auf dem Hof. Da, wo an den Häusern keine Möglichkeit war, links oder rechts einen Stall anzubauen, wurde mittig ein Stall Richtung Garten angebaut. An den Stall und zwischen der Klemnerwerkstatt war ein Mistberg, auf dem nach dem Schlachten die Hühner- oder Kaninchenreste landeten. Aus dem Mistberg krochen im Sommer die dicken geschwänzten Maden. Das war da, wo jetzt das Holztor ist. Dahinter kam dann die Werkstatt.

Manfreds Vater war Klempner, der anfangs mit seinem Werkzeug auf einem Fahradanhänger unterwegs war. Von ihm stammt der Spruch: "Säge und Schwanz gebraucht man ganz"
Neues: mitgeteilt von Ellen Beckmann, die jetzt Precker heißt:

In dem Haus links, nur noch ein Teil zu sehen, wohnten Küppers. Zwei Töchter, die Felicitas und Bärbel hießen. Der Name eines Sohnen ist nicht bekannt.

Rechts wohnten die Grosseltern von Werner und Herbert Dönnecke Dönike. Werner konnte das Ellbogengelenk seines rechten Arms bis fast zum rechten Winkel überdehnen. Sah schon ulkig aus.
Das Haus vom Architekten Lümkemann. Der Sohn hiess Eckehard. Ein Rolf L. ist dort auch heute noch Architekt. Wohl schon der Enkel.
Es geht die Sage, dass dort ein kleiner Briefträger beim Pinkeln im Sturm an die Hauswand, von einer runterfallenden Dachpfanne erschlagen wurde.
Dieses Haus war das einzige der Straße, das pro Eingang bis zu 8 Wohnparteien und damit auch Hausklingeln hatte. Wir nannten es damals "Klingelmännchen"; alle Klingeln drücken und wegrennen. In diesem Haus wohnte Brigitte Poddy.
An der jetzt glatten Wand war ein Treppenaufgang und eine Tür. Die führte zu Pischny's Lebensmittelladen. Dort war eines der wenigen Telefone in jener Zeit. Zucker, Mehl, Salz, Nudeln und was weiß ich noch wurde lose aus grossen Schubladen in Papiertüten gewogen. Alles auf zwei mal drei Metern. Nachdem gleich nebenan eine Berufs- und Handelsschule gebaut wurde, gab es alles, was Schüler so zum Überleben brauchten. Irgendwann reichte es dann auch zu einem Umzug in einen grösseren Laden.

Bei Pischny wurden auch Waffelhörnchen für Eis gebacken. Der Schuppen, in dem das geschah, steht heute noch. Allerdings ohne Hörnchen.

Christa Pischny ging mit in unsere Klasse? Ich weiß es nicht mehr.
Das ist die Eduard-Spranger-Schule. Damals war der Schulhof noch ohne Kontainer und ohne Abteilung des Gartens für den Hausmeister. Aber sonst hat sich nicht viel geändert. In eine Klasse in der Mitte der vielen Fenster bin ich auch zwei Jahre gegangen, aber da habe ich schon nicht mehr in der Erlestraße gewohnt.

Da, wo die Schule jetzt steht, war eine der wenigen Trümmergrundstücke, die ich gekannt habe und wo wir als Kinder gespielt haben.
Der doch recht trostlose Garten des Hausmeisters, der damals wie wohl auch heute seine Wohnung da hatte.
Noch einmal ein Blick zurück. Damals kam mir die Straße endlos lang vor, aber es sind nur zweihundert Meter, von Ecke zu Ecke.

Und jetzt fällt mir auch auf, wie klein und begrenzt unsere Welt war. Nur einen Straßenblock.

Aber es war für uns eine schöne Welt, voller Abenteuer und vielen Freunden.